StreetArt in Bremen

Wer an Bremen denkt dem fallen sicher als erstes die Stadtmusikanten oder der hiesige Fußballverein ein. In der Hansestadt kann man aber auch noch viele andere Sehenswürdigkeiten bewundern. So ist die StreetArt Szene Bremens über ihre Grenzen hinaus bekannt.

„Pling, pling“ ertönt es von einer Fahrradklingel. Ruckartig springt ein älterer Herr zur Seite. „Taub oder was?“, ruft der Fahrradfahrer und braust vorbei. In der Ferne hört man das Klappern seines Gepäckträgers. Laut geht es zu auf dem Ostertorsteinweg in Bremen. Die Straße ist mit grobem Kopfsteinpflaster überzogen, durch die Mitte ziehen sich Straßenbahnschienen. Im Minutentakt gondeln die Bahnen durch die Straße. Auf den Bürgersteigen wimmelt es von Menschen, alt und jung. Schweiß glänzt auf der Stirn einer jungen Radfahrerin. Angestrengt fährt sie übers Kopfsteinpflaster, die Sonne brennt unerträglich von oben herab. Das Rattern von Autos und Rädern wird noch übertönt von dem Stimmwirrwarr aus den Cafes an allen Ecken. Menschen genießen die Sonne bei einem Eis oder Kaffee. Kurz abgebogen in die Weberstraße sieht es ganz anders aus. Ein schmaler Weg schlängelt sich durch die Häuserschluchten wie ein Fluss durch ein Tal. Überall findet man bunte Schriftzüge und Bilder an den Wänden. Die Hauswände sind mit verschiedenen Texten überzogen. Unter unkenntlich erscheinenden Texten fällt einer besonders auf. „ Er hatte ein reines Gewissen. Er benutzte es nie“, steht in schwarz auf die Mauer gemalt.

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More Dancing

Gegenüber klebt ein Clown an der Wand. Rotes Haar, rote Nase und weißes Gesicht. Seine Hose, eine Mischung aus Blau und Türkies. Das gelbe Hemd wird zum Teil von einem Schild in seiner Hand überdeckt. Auf dem Schild steht fordernd: “More Dancing”

An einer Straßenecke grinst Ernie und Bert aus der Sesamstraße den Passanten zu. Ernie mit einem Quietscheentchen auf der rechten Hand. Wie es sich gehört trägt jeder der Beiden ein Werder Bremen Trikot. Im Hintergrund strahlt das Weserstadion bei Nacht. Viele solcher großen Bilder befinden sich an den Mauern in Bremen. „Einige davon sind Auftragsarbeiten“ sagt Jan und bewundert das Bild eine Mauer weiter. Es zeigt Bremens Rathaus mit den kleinsten Details.

Es wird lauter. Touristen drängeln sich durch die Gasse, manche schießen Fotos, einige kaufen sich in den kleinen Seitenläden Postkarten oder andere Souvenirs. Die Bremer Stadtmusikanten sind allgegenwärtig. Überall trifft man auf Esel, Hund, Katze und Hahn. Nur an den Wänden wurden sie noch nicht gesichtet.

Eine Seitenstraße weiter wieder ein Clown. Diesmal ohne rotes Haar. Auf seinem Schild steht: „More Hugs“. Ein Mädchen schaut den Clown an und lächelt. Langsam schreitet sie davon. Die Straßenbahn rattert vorbei, die Erde scheint zu vibrieren. Efeu klettert eine Backsteinmauer empor. Dazwischen klebt der Oberkörper einer Frau. In Braun gezeichnet und gebückt fällt sie nicht sofort auf. Feine Linien kennzeichnen ihr Haar. An manchen Stellen löst sich das Papier von der Mauer. Kleine Risse durchziehen ihr Gesicht, der ganze Unterkörper fehlt. Wind und Wetter beeinflussen die Lebensdauer der Bilder auf der Straße.

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Alte Frau

Wie Menschen, wird auch das PasteUp an der Wand älter. Die Farbe verbleicht, Falten, Risse entstehen, und mit der Zeit zerfällt es zu Staub. Der Platz vor dem Hauptbahnhof ist noch gut besucht. Die Menschen warten auf ihre Züge, einige füttern die Tauben. Große Wellenbrecher aus Beton stehen auf dem Platz verstreut. Eine große Gruppe Jugendlicher mit durchweg schwarzen Klamotten sitzen gemütlich auf dem grauen Asphalt und unterhalten sich. Laut schallt ein Lachen über den Platz. Ein Skateboarder fährt eine kleine Rampe rauf und runter. Autos hupen, in der Ferne ist eine Polizeisirene zu hören. Über den Köpfen der Menschen ist ein Seil von einer Laterne zur anderen gespannt. An dem Seil baumeln verschiedene alte Schuhe im Wind. Auf den Straßen im „Viertel“ von Bremen gibt es viel zu entdecken. An fast jeder Hauswand erwartet den Menschen was Neues. Clowns, Roboter Schriftzüge in den verschiedensten Farben, es gibt immer was zu bestaunen.

Die Reportage habe ich im Sommer 2010 für mein Journalistik Studium geschrieben. Es war eine schöne Zeit mehrere Wochenenden Bremen zu durchstreifen und Fotos zu machen. Im Anschluss findet ihr die komplette Bildergalerie von meinen Ausflügen. Ich hoffe das ich diesen Sommer nochmal nach Bremen komme um weitere Fotos zu schießen.


Ein Kommentar in "StreetArt in Bremen"

  1. Jenni sagt:

    Den Artikel habe ich ja schon kurz nach der Fertigstellung gelesen und finde es einfach nur faszinierend. Du schreibst so schön und hast dazu echt tolle Bilder gemacht. Einfach klasse. Weiter so :)

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